Arbeitskreis Brandschutzerziehung

im Stadtfeuerwehrverband Stuttgart e.V.

Arbeitskreis Brandschutzerziehung - im Stadtfeuerwehrverband Stuttgart e.V.

Wenn die Leute nur geheizt haben, darf man noch nicht die Feuerwehr rufen

 Stuttgarter Wochenblatt vom 23.02.2006

Wenn die Leute nur geheizt haben, darf man noch nicht die Feuerwehr rufen

Brandschutzerziehung für Stuttgarts Kinder: In Riedenberg ist das stadtweite Gemeinschaftsprojekt gestartet

Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, Klaus Dalferth, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands Stuttgart, und Dr. Frank Knödler, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes und Leiter der Branddirektion Stuttgart, haben am 20. Februar in Riedenberg das stadtweite Gemeinschaftsprojekt “Brandschutzerziehung in Kindergärten” gestartet.

RIEDENBERG – “Max, Max!” rufen die Kinder laut. Sie warten auf das knallrote Feuerteufelchen Max Zündel, das auf dem Schoß von Feuerwehrkommandant Frank Wörner von der Freiwilligen Feuerwehr Riedenberg sitzt und wilde Späße macht. Die 15 Kinder kommen von der Kinderbetreuungseinrichtung Heuschrecken in Riedenberg und haben durch Mitglieder der FFW Riedenberg bereits eine umfassende Brandschutzerziehung erhalten. Sie wissen, was man tun muss, wenn “doch mal was passiert.” “Die 112 darf man nur wählen, wenn”s wirklich brennt!” ruft ein Heuschrecken-Kind und ein anderes sagt: “Wenn die Leute nur geheizt haben und Rauch aus dem Kamin kommt, darf man noch nicht die Feuerwehr rufen.” Zu lustigen Gitarrenklängen singen sie den Feuerteufel-Rap und anschließend demonstriert der kleine Konstantin den anwesenden Gästen, wie gut es mit dem Telefonieren klappt.

Er wählt die 112, sagt seinen Namen und die Straße, in der es brennt. “Was brennt?” fragt der Feuerwehrmann am anderen Ende der Leitung.

“Das Haus natürlich!” ruft Konstantin. Diese Szene mit den kleinen Heuschrecken-Kindern ist lustig – im Falle eines Brandfalles wird jedoch alles sehr schnell todernst. Gerade im Umgang mit dem Element Feuer ist daher bei der Aufklärung noch viel zu tun. So sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 40 Kinder an den Folgen von Bränden, mehr als zwei Drittel aller Opfer sind dabei jünger als fünf Jahre.

Noch erschreckender ist die Tatsache, dass 80 Prozent aller Brände, die durch Kinder verursacht werden, von Kleinkindern ausgehen und dabei jedes Jahr tausende Kinder durch Verbrennungen verletzt und teilweise schwer entstellt werden.

Deswegen starteten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Botnang, Degerloch-Hoffeld, Heumaden, Hofen, Plieningen, Riedenberg, Rohracker und Zazenhausen im Jahr 2002 ein Projekt zur gezielten Aufklärung und Erziehung von Kleinkindern und ließen sich in ihrer Freizeit zu Brandschutzerziehern ausbilden.

Die Freiwillige Feuerwehr Riedenberg konnte die “Brandschutzerziehung in Kindergärten und Vorschulen” im Netzwerk nachhaltiger Projekte im stadtweiten Prozess der Lokalen Agenda Stuttgart verankern. Mittlerweile wurden die Kinder von insgesamt fünf Kindergärten des Stadtbezirkes in der Brandschutzerziehung unterrichtet.

Im Rahmen des Projektes “Brandschutzerziehung in Kindergärten” machten die Feuerwehrleute Frank Wörner, Ralf Baumgartner und Rouven Dürr Station in den Riedenberger Kindergärten, um die Kinder auf spielerische Weise mit dem Thema Feuer und Brandschutz vertraut zu machen. Am Anfang stand eine Informationsveranstaltung “Kick off” sowie der Kontakt zu den Erzieherinnen der Kindergärten. In Elternabenden, durch begleitende Thematik in den Kindergärten, durch den Besuch der Feuerwehr und den Besuch der Kinder im Feuerwehrhaus soll den Kleinen der Umgang mit der gefährlichen Materie nahe gebracht werden. “Sie lernen wie man telefoniert, die Notrufnummer wählt, den Namen sagt, und dass man bei Rauch nur kriechen soll, dass man sich bei Feuer bemerkbar machen muss”, erzählt Frank Wörner. Parallel dazu werden die Kinder von den Erzieherinnen auf das Thema Brandschutz vorbereitet. “Die Kinder singen Lieder, malen, basteln, hören Geschichten zum Thema Feuer.” Für die meisten sei es “toll”, wenn die Feuerwehr kommt, oder wenn sie zum Abschluss des Kurses einen Besuch im Feuerwehrhaus machen dürfen.

Vor allem der Feuerteufel Max, der forsch und frech auftritt, beeindruckt die Kinder sehr, berichtet Feuerwehrkommandant Frank Wörner. Gemeinsam mit seinen Kollegen führt er in Form eines Dialogs zwischen Puppenjunge Nils und Feuerteufel Max durch das Brandschutzerziehungsprogramm.

Mit dem blonden Nils identifizieren sich die Kinder, der knallrote Feuerteufel Max erzeugt dagegen leichtes Schaudern. Es gibt lustige Spiele mit Rauchschlangen oder einer Kerzentreppe, Übungen an einer laut geschalteten Telefonanlage, eine lustige Kassette mit Hörspiel, Malbücher und Bastelbögen und am Schluss ein aufregender Besuch im Feuerwehrhaus.

“Unser Ziel ist, die Kinder mit der Gefahr vertraut zu machen, so dass sie in kritischen Situationen automatisch richtig handeln und nicht in Panik verfallen”, erklärt Wörner. Auch die Eltern sollen sensibilisiert werden und darauf achten, dass zu Hause keine Streichhölzer herumliegen oder die Kinder mit einer Kerze allein sind. “Kinder sind selten vorsätzliche Brandstifter, ein Feuer entsteht immer durch Unachtsamkeit.” Das Brandschutzerziehungsprogramm für Stuttgarts 488 Kindergärten ist startklar. Unterweisungen bei weiteren 23 Kindergärten stehen bevor. Bis zum Ende des Jahres sollen rund 1500 Kinder im Rahmen dieses Projekts durch ehrenamtlich tätige Bürger im Umgang mit dem Feuer und der Feuerwehr geschult werden. Interessierte Stuttgarter Kindergärten können sich an den Stadtfeuerwehrverband Stuttgart wenden, Heusteigstraße 12, 70182 Stuttgart, Telefon 50 66 – 399, Fax 50 66 – 241.

Bezirksvorsteher Schreck freut sich, dass im Stadtbezirk eine so hohe Sensibilität für dieses Thema entwickelt werden konnte.

“Der Bezirksbeirat wird stets ein offenes Ohr für dieses Projekt haben.” Das ist gewiss nötig, denn der finanzielle Rahmen von 10 000 Euro für das Stuttgarter Modell ist ausgeschöpft, das Budget aufgebraucht. Weitere finanzielle Unterstützung muss nun von der Stadt kommen. “Kinder sind das Beste was wir haben”, so Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster bei seinem Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Riedenberg. Er verdeutlicht, dass “mit diesem neuen Programm die Stuttgarter Kindergärten die Chance erhalten, den richtigen Umgang mit Feuer zu erfahren und gleichzeitig die Feuerwehr als Retter in der Not kennen zu lernen”.

Klaus Dalferht, der Chef des Stadtfeuerwehrverbandes Stuttgart bringt die Zielsetzung der Brandschutzunterweisung auf den Punkt: “Es sollen Regeln statt Verbote im Umgang mit Feuer gelehrt und spielerisch die richtigen Reaktionen bei Notfällen, wie einem Brand zu Hause, erlernt werden. Unser Anliegen ist es, den Kindern zu vermitteln, dass der richtige Umgang sie vor der Gefahr Feuer und vor Verletzungen schützen kann und sich damit unbeabsichtigt entstandene Brände vermeiden lassen.

Zündeln kann erlaubt sein, aber nur mit den Eltern oder anderen Aufsichtpersonen, denn alleine ist es viel zu gefährlich.” “Brandschutzerziehung steht dafür, unsere Kinder vor Bränden zu schützen, sie im Umgang mit Feuer zu sensibilisieren und zu verantwortungsbewussten Menschen zu machen”, so Dr. Frank Knödler.

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